Kompressionssyndrome des peripheren Nervensystems

Es gibt zahlreiche Engstellen, an denen Nerven komprimiert werden können.

Am häufigsten geschieht dies in der Wirbelsäule im Bereich des Nervenaustritts durch einen Bandscheibenvorfall oder andere degenerative Prozesse, welche den dort austretenden Spinalnerv oder dessen Wurzeln einengen.

Desweiteren gibt es Kompressionen oft am Handgelenk, wo der N. medianus zusammen mit Sehnen unter einem Band entlangzieht, was bei einer dortigen Einengung als Karpaltunnelsyndrom bezeichnet wird.

Da ein Nerv einen Mikrokosmos darstellt, mit eigenen Arterien und Venen und eigenen kleinen Nerven, den Nervi nervorum, einem Lymphsystem, einem komplexen faszialen Aufbau und einer mehr oder weniger starken Isolierschicht, Schwannsche Zellen für die einzelnen Nervenfasern, Axone, ist leicht vorstellbar, dass eine Kompression unterschiedliche Auswirkungen auf einen Nerven haben kann.

Diese Komplexität macht auch klar, dass z.B. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes begünstigend auf die Empfindlichkeit eines Nerven wirken.

Hinzu kommt, dass Nerven nicht nur Informationen durch elektrische Impulse aus der Peripherie zum zentralen Nervensystem und von diesem in die Peripherie leiten, sondern dass sie Stoffe transportieren, z.B. in den Zellkernen gebildete Rezeptoren, welche mit dem anterograden Axoplasmastrom in die Peripherie gelangen, um dann in die Nerven für Wahrnehmunsaufgaben eingebaut zu werden.

Auch können Nervenfasern z.B. Substanzen in das Gewebe ausschütten, die zu einer entzündlichen Reaktion im umliegenden Gewebe führen, neurogene Entzündung.

Neurowissenschaften und Neurologie sind stark expandierende Gebiete, welche auch in Zukunft mit absoluter Sicherheit viele neue Erkenntnisse gewinnen werden.

Auftretende Symptome

Zuerst meist Kribbeln / Parästhesie ein Gefühl wie wenn ein eingeschlafenes Gewebe wieder aufwacht. Gepaart ist es oft mit einem etwas verminderten, tauben Gefühl / Hypästhesie. Weiterhin kann sich ein brennendes Gefühl einstellen. Das Gewebe kann auch tatsächlich wärmer oder kälter sein, meist vorübergehend.

Hinzu kann eine verstärkte oder herabgesetzte Schmerzempfindlichkeit kommen.

Schmerzen und Verspannungsgefühle sind auch häufig.

Im Verlauf kann eine Muskelschwäche hinzukommen oder direkt auftreten.Am besten ist es, wenn sich die Problematik von selbst wieder auflöst. Sollten sich die Schmerzen oder Missempfindungen nicht bessern oder gar verstärken ist es sinnvoll einen Arzt oder einen auf solche Problematiken spezialisierten Physiotherapeuten oder Osteopathen aufzusuchen.

Wenn sich die Symptome plötzlich einstellen, vielleicht noch begleitet durch andere Auffälligkeiten wie Kraftverlust, ist direkt ein Arzt aufzusuchen.

Bei einem Verdacht auf Schwerwiegendes wie ein Schlaganfall ist unbedingt sofort eine Einlieferung in eine Klinik notwendig.

Untersuchung

Einleitend wird eine eingehende Befragung, Anamnese, durchgeführt. Genaue Angaben zur Lokalisation und zur Art der Beschwerden, wann diese auftreten, ob es ein auslösendes Moment gab, ob Begleitsymptome bestehen und zum Verlauf der Beschwerden und einiges mehr, liefern wertvolle Hinweise für eine Diagnose und für eine gezielte Untersuchung.

Die Prüfung der Sensibilität, der Schmerzempfindlichkeit und der Muskelkraft engen den Ort der möglichen Nervenschädigung ein.

Zur Vergewisserung oder zur genaueren Überprüfung gibt es Kompressionstests. Hierbei wird der Nerv genau an dem Ort, an dem der Untersucher die Schädigung vermutet, eine gewisse Zeit unter Druck gesetzt.

Ein Nerv läßt sich auch durch eine Dehnung, neurodynamischer Test, unter Stress setzen. Am bekanntesten ist der Test für den Ischiasnerv, bei welchem aus der Rückenlage das gestreckte Bein angehoben wird.

Beim Listeningtest werden durch leichte Berührung mit den Fingerbeeren des geschulten Untersuchers feine Gewebeveränderungen wahrgenommen, die Rückschlüsse darauf zulassen, ob der Nerv dort möglicherweise eine Beeinträchtigung erfährt.

Ursachen

Gemäß der Philosophie der Osteopathie versucht der Osteopath Ursachen zu ergründen. Manchmal ist es einfach. Weil der Chemielaborant mit seiner Nackenproblematik vermeintlich nicht so oft am PC arbeitet benutzt er eine Gleitsichtbrille. Es stellt sich aber heraus, dass er zuweilen doch bis zu 2 Stunden am PC arbeitet. Die Gleitsichtbrille zwingt ihn in eine ungünstige Kopfposition. Dies geht meist viele Jahre gut, schlägt jedoch irgendwann doch zu Buche.

Etwas diffiziler ist es wenn der Informatiker, der wegen einer Nackenproblematik kommt, eine im Prinzip gute Computerbrille hat. Leider folgte der Optiker dem Wunsch des Kunden nach einem besonderen Gestell. Es zeigte sich, dass der Patient in einer optimalen Kopfposition den oberen Rand seines Gestelles sah, weswegen er den Kopf bei der Arbeit immer ein wenig in den Nacken legte.

Diese Dinge sind zum Glück, einmal gefunden, leicht zu beheben.

Eine Spur aufwendiger wird es für den Patienten, wenn er als ambitionierter Tennisspieler einen Tennisellenbogen entwickelt. Natürlich kann es auch hier am verkehrten Tennisschläger liegen, meist ist es allerdings die verkehrte Technik.

Einige Trainerstunden und eine Adaptation der Technik sind dann unausweichlich.

Genauso kann es bei anderen Sportarten, selbst beim Yoga, zu Überlastungssysndromen kommen. Nicht selten werden auch Übungen, welche gegen eine bestehende Problematik helfen sollen schlecht oder zu intensiv ausgeübt, so dass diese die Schmerzen sogar noch chronifizieren.

Da sich die Verspannungen meist über Jahre aufgebaut haben, reicht meist eine einfache Umstellung nicht aus, sondern ist normalerweise zusätzlich eine Behandlung sinnvoll.

Bei Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden, Migräne, oder neurologischen Problemantiken wird es meist schon komplexer. In der Regel liegen dann mehrere Gründe auf verschiedenen Ebenen vor bzw. kommen viele Puzzleteile zusammen. So lassen sich allein bei der Untersuchung auf der körperlichen / somatischen Ebene viele Stellen finden, welche in Zusammenhang stehen und sich in Dysbalance befinden und demzufolge behandelt werden sollten.

Therapie in der Osteopathie

3 Krankheitsbilder greife ich mir heraus. In diesem Rahmen ist nur eine äußerst minimalistische Beschreibung möglich.

1.: Chronischer Rückenschmerz

Wie schon im Absatz Ursachen beschrieben gilt es den Alltag zu durchleuchten. Was verstärkt den Rückenschmerz? Was lindert diesen? Ist es das zu lange Sitzen oder eine ungünstige Sitzposition oder Haltung? Bei der Untersuchung könnte sich z.B. eine Bewegungseinschränkung in den Hüftgelenken zeigen, welche die Lendenwirbelsäule im Stand in eine Überstreckung zwingt. Therapeutisch können die Hüftgelenke mobilisiert werden. Dies bekommt der Patient auch als Eigenübung mitgegeben.

Vielleicht sind alle Gelenke frei beweglich und die ungünstige Haltung beruht auf einem schlechten Körpergefühl. Dann gilt es daran zu arbeiten und wiederum dem Patienten dies als Hausaufgabe mitzugeben.

Schmerzen stehen oftmals in Zusammenhang mit Veränderungen im faszialen Gewebe. Mit genügend Übung und einem Sinn für diese Wahrnehmung, sind diese für einen Therapeuten zu ertasten. Bei chronischen Rückenschmerzen erstrecken sich die Areale der faszialen Dysbalancen großflächig bzw. betreffen ganze Faszienketten. Aufgabe des Therapeuten ist nun diese Dysbalancen zu ertasten und Druck und kleine Bewegungen genau so einzubringen, dass der Körper nicht selten befähigt wird seine Verspannungen aufzulösen.

Der Druck ist dabei überwiegend leicht und die Behandlung im Prinzip schmerzfrei. Sensitive Patienten können das, was der Therapeut spürt, auch wahrnehmen.

Weniger sensitive Patienten wundern sich oft zu Anfang über die sanfte Behandlung und fragen sich bisweilen, wie solch eine sanfte Behandlung denn helfen solle.

Da sich die Beschwerden über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut haben, ist eine gewisse Geduld und Mitarbeit notwendig, um Behandlungserfolge zu erzielen.

2.: Migräne

Auch hier finden sich, wie beim chronischen Rückenschmerz, fasziale Dysbalancen, die ganze Faszienketten betreffen. Auch wenn der Schmerz den Kopf und den Nacken betrifft, zeigt die Erfahrung, dass es nicht gut ist dort mit der Therapie zu beginnen, um nicht einen Migräneanfall auszulösen.

Notwendig ist es erst aus osteopathischer Sicht einmal entfernt zu starten, meist am Rücken. Auch hier gilt es Geduld aufzubringen, um Behandlungserfolge zu ermöglichen.

3.: Karpaltunnelsyndrom

Wie bei den vorher beschrieben Krankheitsbildern kann auch hier in vielen Fällen wieder eine Faszientherapie angewandt werden. Um die Spannung vom Nerv zu nehmen werden zum einen die normalen Faszien und zum anderen die zum Nerv gehörenden Faszien behandelt. Äußerst selten sind nur die faszialen Anteile am Handgelenk betroffen, sondern auch die am Arm und an der Halswirbelsäule. Zusäzlich werden die Nerven mittels Neurodynamik bestmöglich mobilisiert.

Meist ist auch eine Mobilisierung der Wirbelsäule und des Handgelenkes notwendig. Zudem muss meist die Unterarmmuskulatur gedehnt und die Koordination verbessert werden. Außerdem kann mit Neurofunktioneller Integration das Zusammenspiel zwischen peripherem und zentralem Nervensystem aktiviert werden.